Ein Ausblick über Influencer Marketing für das Jahr 2022 von Stefan Schumacher

Written by Delphine Benedic

Oktober 6, 2021

Stefan Schumacher (Geschäftsführer von Territory Influence) nahm an einer spannenden Paneldiskussion auf der HORIZONT Total Video 2021 teil. Gemeinsam mit Jessica Haltenhof von Buzzbird diskutierte er, ob Influencer Marketing noch ein verrückter Trend oder schon längst ein fester Bestandteil jeder Marketingstrategie ist. Hier ist eine Zusammenfassung:

Influencer Marketing hat in den letzten Jahren ein enormes Wachstum verzeichnet – wie sieht es jetzt aus? Gibt es noch mehr (Umsatz-) Potenzial?

Influencer Marketing ist definitiv auf dem Vormarsch und wird für alle Branchen weiter an Bedeutung gewinnen“ antwortet Stefan. Das zeigen auch die Zahlen von Influencer Marketing Hub:

      • 62% der Vermarkter planen, ihr Budget für Influencer Marketing zu erhöhen
      • 40% planen, mindestens 20% ihres Gesamtbudgets für Influencer auszugeben
      • Bereits im Jahr 2021 wird es rund 12% mehr Influencer Kampagnen geben

Natürlich wird ein zunehmender Teil des Budgets für Influencer Marketing ausgegeben, um jüngere Zielgruppen zu erreichen. Social Media Strategien sind im Medienmix – einschließlich der Zusammenarbeit mit Influencer:innen – immer wichtiger, ergänzend zu den traditionelleren Kanälen. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass es beim Influencer Marketing nicht nur um digitale Maßnahmen geht. Die meisten Studien (einschließlich der oben genannten Zahlen) berücksichtigen in ihren Prognosen nicht den zunehmenden Bedarf an Offline-Markenempfehlungen durch Nano Influencer:innen.

 

Die Kehrseite der Professionalisierung: Verliert das Influencer Marketing seine Seele und in gewisser Weise auch seine Glaubwürdigkeit?

„Hier gibt es mehr Leidenschaft und Emotionen als in vielen anderen Bereichen des Marketings! Professionalisierung bedeutet nicht, dass Influencer ihre Stimme verlieren, sondern nur, dass es mehr Regeln, Verträge und Vergütungen gibt, um Kreativität und Zeitaufwand für die Produktion von Inhalten zu belohnen.erklärt Stefan.

Laut unserer Studie mit der Hochschule Macromedia aus dem Jahr 2021 bezeichnen sich 28% der Influencer:innen als „Professionals“. Sie sind auf der Suche nach fairen Kooperationen und Partnern, die bereit sind, ehrliches Feedback zu erhalten. Zudem sind sie sich ihres Wertes auf dem Markt bewusst und wissen, wie viel ihr Publikum für Marken bedeuten kann. Sie betreiben Social Media in Vollzeit, wie jeder gute Community-Manager. Führt das zwangsläufig zu einem Verlust an Authentizität und Leidenschaft? Nein. Es ist nur ihre Haupteinnahmequelle geworden. Und Geld ist nicht gleichbedeutend mit einem Null-Partnerschafts-Standard: Influencer nehmen nicht alle Anfragen an. Sie suchen sich Produkte sorgfältig aus und stellen immer höhere Anforderungen an deren Qualität und Umweltbewusstsein. 

Facebook, Instagram, Youtube und Tiktok. Welche anderen Social Media Plattformen sollten wir im Auge behalten?

„Um ehrlich zu sein ist Facebook nicht mehr relevant, außer in der Welt der Nano Influencer:innen, wenn man ältere Generationen erreichen möchte. Instagram und Youtube bleiben jedoch die wichtigsten Kanäle für Marken.“ so Stefan

TikTok bietet ein großes Potenzial für Marketer in Bezug auf Reichweite, Zielgruppenverjüngung, kreative oder virale Inhalte und Infotainment. Die App ist mit mittlerweile 1 Milliarde aktiven Nutzern enorm schnell gewachsen. Dort bietet sich besonders das Micro Influencer Geschäft an, weil es viele Accounts gibt die mit nur ein paar Videos viral gehen können. Neben TikTok ist Pinterest und Twitch nicht zu vernachlässigen. Pinterest zieht mit seinem inspirierenden Feed, den Shopping-Funktionen und der Entwicklung hin zu mehr Produktkategorien immer mehr Männer an. Bei der Live-Stream-Plattform Twitch geht es schon lange nicht mehr nur um Gaming. Die Einschaltquoten sind sehr hoch, die Inhalte sind authentisch und ganz zu schweigen von dem Trend zu Live-Shopping-Events.

 

Wie sieht es mit Owned Media aus? Stehen sie in Konkurrenz zum Influencer Marketing oder sollten sie im Jahr 2022 noch stärker zusammenarbeiten?

Zweifellos sollten sie mehr zusammenarbeiten – hier sehe ich ein enormes Potenzial. Sie sind komplementär!„, sagte Stefan. Menschen folgen und vertrauen Menschen mehr als Marken. Somit kommt die Nutzung von Influencer Inhalten oder UGC (User Generated Content) den Marken-Touchpoints zugute, indem sie z. B. den Traffic und die Konversion erhöhen. Millennials lassen sich besonders von Influencer:innen inspirieren, wenn es darum geht, neue Produkte zu entdecken und auszuprobieren (58%). Laut Kantar sind Empfehlungen von Gleichgesinnten aufgrund ihrer Glaubwürdigkeit und Qualität der zweitwichtigste Punkt nach dem Fernsehen (Index 150). Aussagen wie „90% der Verbraucher würden Marke X ihren Freunden empfehlen“ sind also viel Wert, um eine Werbebotschaft zu bereichern.

 

Wie groß wird Social Commerce werden – und welche Rolle können/sollten Influencer dabei spielen?

„Wenn wir nach Osten schauen, sind wir noch sehr weit vom chinesischen Modell entfernt. Wir sehen, dass in Europa neue vielversprechende Formate wie Live-Shopping-Events, Social Boutiquen und klickbare Inhalte auftauchen – aber das ist erst der Anfang, wir werden hier in den nächsten Jahren ein enormes Wachstum sehen“, sagt Stefan

In China haben 91 % der Internetnutzer ein Konto in den sozialen Medien, und 40 % von ihnen verwenden tatsächlich ihren echten Namen. Jeder verbringt etwa 45 Minuten pro Tag in sozialen Netzwerken. Der E-Commerce-Umsatz mit Live-Streaming wird in diesem Jahr 300 Milliarden Dollar erreichen. Das sind etwa 12 % des gesamten E-Commerce-Umsatzes im Einzelhandel des Landes. Bis 2023 wird ein Anteil von 19,4 % erwartet. Social Commerce hat mit 186 Milliarden Dollar im Jahr 2019 ein Gewicht von 11,6 % des E-Commerce-Geschäfts.

Wie in Asien werden auch hier Influencer eine wichtige Rolle spielen, indem sie z. B. Shopping-Events veranstalten, ihr Fachwissen und ihre Empfehlungen zu Produkten weitergeben oder als Markenmodels oder Kampagnengesichter auftreten. Sie werden die Sichtbarkeit der Shopping-Artikel erhöhen und die Kunden beruhigen, indem sie die Produkte im echten Leben in Szene setzen und ihre eigene Meinung abgeben…

Was werden die bestimmenden Trends in den nächsten 12 Monaten sein?

  1. Video- und Live-Inhalte, insbesondere TikTok und das Infotainment-Phänomen (unterhaltsam und informativ).
  2. Communities mit einem Marken-Kunden-Austausch auf Augenhöhe, der Verbraucher oder Influencer:innen zu echten Markenbefürwortern mit langfristigen Kooperationen macht. First-Party-Daten werden mit Community-Technologien eine Chance sein. 
  3. Es wird erwartet, dass man Stellung bezieht! Themen wie Inklusion, Vielfalt – kein Greenwashing, sondern konkrete Aktionen mit aussagekräftigen Influencern und Themenexperten.
  4. Vermarkter achten verstärkt auf Kennzahlen. Messbarkeit verschiedener KPIs bis hin zum ROI gewinnen an Bedeutung.

Um diese herausfordernden Trends zu meistern, wird Territory Influence an einer tieferen Integration in das ganzheitliche (Influencer-)Marketing arbeiten, sich auf ein optimiertes People Business durch den gezielten Einsatz von Technologie konzentrieren und die Kompetenzen des Teams erweitern. Das beste Team, mit der besten Technologie, für die anspruchsvollsten Kunden auf dem Markt!

verkündet Stefan.